Es ist Rosenmontag. Nach Fasnet ist mir heute nicht. Sie fällt aus, das kann ich verkraften. Draußen ist es ungemütlich kalt. Ich habe den Vögeln das Futter aufgefüllt. Und meine Gedanken gehen zu den Menschen, die auf der Straße leben. Unvorstellbar, bei diesen Minustemperaturen draußen zu schlafen!

In der Zeitung habe ich gelesen, dass das Winterwetter nun auch über Griechenland hereingebrochen ist. Nach wie vor stecken dort Tausende von Geflüchteten fest. Sie wohnen in Zelten unter menschenunwürdigen Bedingungen. Auch Frauen, auch Kinder. Ohne jede Perspektive.

Davon hören wir kaum noch etwas in den Medien. Vor lauter Corona sind die Menschen dort vergessen. Wir haben genug eigene Probleme, ist auch mein Reflex. Dennoch schreibe ich eine Mail an Innenminister Seehofer und frage ihn, ob wir denn schon alle Geflüchteten aufgenommen haben, die wir im September nach dem Brand im Lager Moria versprochen haben, nach Deutschland zu holen. Ca. 1550 Menschen wollten wir aufnehmen, obwohl viele Städte eine größere Bereitschaft zur Aufnahme signalisiert hatten. Aber sind wenigstens die inzwischen bei uns angekommen?

Ein freundlicher Mann aus dem Bürgerservice des Bundesinnenministeriums antwortet postwendend. Er jongliert mit Zahlen. Ich kann aus ihnen nicht herauslesen, ob seine Antwort ja oder nein heißt. Er verweist auf die großzügigen Zahlungen, die Deutschland an die Länder gibt, die die Geflüchteten an den Außengrenzen Europas versorgen sollen. Und er verspricht weitere Verhandlungen, eine gesamt-europäische Lösung für die Flüchtlingsproblematik zu finden. Sicherlich weiß er ebenso wie ich, dass es diese Lösung seit 2015 nicht gibt und in absehbarer Zeit nicht geben wird.

Es ist gerade nicht leicht für die, die in der Politik Verantwortung tragen. Das weiß ich. Dennoch denke ich, dass wir mehr tun könnten und müssten für die Menschen auf Lesbos und anderswo, die kein Zuhause mehr haben und die wir im Stich lassen. Wir als reiches Land Deutschland, und wir als Kirchen, die wir mehr Einfluss nehmen könnten.

Ich wünsche mir, dass wir über Corona nicht vergessen, dass für viele Menschen die Pandemie nicht die größte ihrer Sorgen ist.

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