Am vergangenen Donnerstag habe ich eine Zeitreise in meine Kindheit und Jugend gemacht: Ich habe mir im Kino den Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ von Eva Müller und Isabell Schneider angeschaut. In ihm werden zahlreiche Ausschnitte aus Unterhaltungssendungen gezeigt, die mir wohlvertraut sind: „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulemkampff, „Der große Preis“ mit Wim Thoelke, „Wetten dass?“ mit Thomas Gottschalk, „Schmidteinander“ und „Die Harald-Schmidt-Show“ mit dem Titelgeber als Moderator.

Diese Reise in die Vergangenheit war aber keine von diesen Wohlfühltouren, um schöne Erinnerungen an gemeinsame Samstagabende mit der Familie vor dem Fernseher zu wecken, bei denen wir herzhaft gelacht haben. Stattdessen wurde mir mehr als deutlich gemacht, was ich damals nicht wahrgenommen hatte: In all diesen Shows wurden Frauen von den Moderatoren auf ihr Äußeres reduziert, sexualisiert, belästigt und gedemütigt. Es sind Esther Schweins, Gaby Köster, Hella von Sinnen, Maren Kroymann und Bettina Böttinger, die in dem Film von ihren Erfahrungen in der Unterhaltungsbranche berichten. Es sind diese fünf erfolgreichen Frauen, die seit den 1990er Jahren die (bundes)deutsche Fernsehgeschichte mitschreiben, eigene Unterhaltungsformate entwickeln und zu Role-Models für die Generationen nach ihnen geworden sind. Und es sind diese fünf Frauen, die von ihren Kollegen(!) vor laufender Kamera gedemütigt, sexualisiert, belästigt, als humorlos und inkompetent dargestellt wurden.

Der Film zeigt die Entwicklung der Fünf in ihren je eigenen Genres. Die Frauen berichten von ihren humoristischen und medialen Prägungen in der Familie und im Studium und ihren ersten Erfahrungen auf der Bühne. Man sieht die junge Hella von Sinnen im Kölner Karneval, Maren Kroymann in ihren ersten Bühnenprogrammen, Gaby Köster in ihrer Paraderolle als Rita oder Esther Schweins Parodie auf Verona Feldbusch. In den Interviewsequenzen zwischen den Einspielern ordnen die Frauen die Ausschnitte ein, erzählen Hintergrundgeschichten oder einfach davon, wie sie sich in diesen von Männern konzipierten Situationen gefühlt haben. Die Fragen der Regisseurinnen beantworten sie ehrlich und kommen an manchen Stellen auch ins Nachdenken über ihr eigenes Verhalten. Maren Kroymann reflektiert selbstkritisch über Witze, die sie über Verona Feldbusch gemacht hat und Esther Schweins zeigt vor laufender Kamera ehrliche Wut über das homophobe und frauenverachtende Verhalten von Harald Schmidt gegenüber Bettina Böttinger in einer seiner Sendungen.

Mir gefällt dieser Film, weil er mich fragen lässt, wie sehr das Unterhaltungsfernsehen Rollenbilder und Geschlechterverhalten prägt. Ich fühlte mich mehr als einmal ertappt, weil ich mich erinnerte, wie auch ich mitgelacht habe über die „Witze“ – auf Kosten der Frauen. Dabei wird der Film nie moralisierend, keine der Protagonistinnen hebt symbolisch den Zeigefinger. Sie erklären mir lediglich die Realität der Unterhaltungsbranche und das genügt, um zu verstehen, warum Frauensolidarität so wichtig ist – auch und gerade mit öffentlich sichtbaren Frauen in den Medien.

Mehr zum Film unter https://port-prince.de/projekt/was-haben-wir-gelacht/

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