
Es gab Zeiten, da begann jeder Small-Talk im Büro mit einer Klage über die Staus auf den Kölner Autobahnen, die unzuverlässigen Zug-Verbindungen zwischen Köln und Bonn oder auch gerne über die schwierigen Arbeitsbedingungen in unserer viel zu kleinen Geschäftsstelle. Regelmäßig habe ich bis zu zwei Stunden für die Wege von zuhause ins Büro und zurück gebraucht. Als früher Vogel habe ich das Haus um 06.15 h verlassen und kam trotzdem oft erst um 22.00 h nach verschiedenen dienstlichen, ehrenamtlichen oder sonstigen Verpflichtungen wieder zurück. Mein Arbeitszimmer hier habe ich mehr oder weniger nur kurz zum Ablegen von weiteren Unterlagen betreten.
Und jetzt: Wir sind alle im Home-Office. Für mich heißt das, erstmal ganz entspannt Zeitung lesen. Jetzt habe ich deutlich mehr Ruhe morgens (leider sind jetzt die Zeitungen dafür auch deutlich dünner). Um 7.55 h schnappe ich mir meine Tasse Kaffee, gehe eine Treppe runter und kann mich trotzdem pünktlich um 8.00 h in meinem Home-Office zum Dienst melden. Statt durch Konferenzräume und Besprechungen zu ziehen, wie „im richtigen Leben“, besteht mein Arbeitstag aus einer Aneinanderreihung von digitalen Meetings. Internet und moderne Software machen das möglich. So kenne ich jetzt die Küchen, Wohn- und teils sogar die Schlafzimmer meiner Kolleginnen. Manchmal stecken Kinder ihren Kopf in die Kamera und nutzen schnell die Gunst der Stunde, um nach Süßigkeiten zu fragen. Hunde bellen, Katzen schleichen über den Laptop. Das finde ich alles außerordentlich sympathisch. Mein besorgter Ehemann dagegen bringt mir zwar zwischendurch einen Espresso, will aber auf keinen Fall ins Bild, sondern pirscht sich von hinten an. Herr Bischof sitzt mit Strickjacke vor der Kamera. Und der oberschlaue Vorstandskollege schrumpft auf menschliche Maße, wenn er auch beim dritten Mal noch nicht verstanden hat, wie er sein Mikrofon anschalten muss. Ich finde das alles noch ganz interessant. Es bringt mal Abwechslung, öffnet neue Möglichkeiten und schafft ganz neue Begegnungsformen. Ich lerne Menschen anders kennen und freue mich daran …
Doch anstrengend ist es auch. Die Tage sind lang. Dazu kommen die großen Sorgen und die Befassung mit vielen aktuellen Nöten, die die Agenda füllen. Das sind alles keine spielerischen Video-Games hier. Und ganz ehrlich: Kollegen können fürchterlich nervig sein, aber ohne Kollegen ist es noch viel nerviger. Es fehlt der Händedruck oder die Umarmung zur Begrüßung, der Plausch über dem gemeinsamen Kaffee, das Gespräch am Rande einer Sitzung. Viel schöner ist es, durch Mimik und Gestik angezeigt zu bekommen, da will jemand etwas sagen, als auf die Maus-Hand angewiesen zu sein.
Wir lernen, was alles möglich ist – und erfahren, was fehlt. In einer Zeit nach Corona – wann immer das ist, werden manche lange Zugfahrt und viele Dienstreisen nicht mehr nötig sein. Schön sind Tage im Home- Office, aber bitte mitten in einer Arbeitswoche im Office- Home. Das Kellerkind findet es gut, dass es jetzt nur noch den Computer ausmachen muss und dann hoch zur Familie gehen kann, aber ich freue mich auch schon wieder aufs Büro.
Autor
Alle Beiträge ansehenFrühere Vizepräsidentin des KDFB, jetzt Geschäftsführerin von AGIAMONDO, dem katholischen Personaldienst in der Entwicklungszusammenarbeit und Vizepräsidentin des ZdKs - Ich schreibe aus der Sicht von jemandem mit Verantwortung in internationalen Zusammenhängen, als engagierte Katholikin und Familienmutter.
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