
800 Seiten lesen sich nicht so schnell und es braucht seine Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen. Mit Spannung erwarten wir, zu welchen Schlüssen Kardinal Woelki gekommen ist. Nach einem intensiven Gespräch mit meinen „Schwestern im Geiste“ (und nicht mit meinen „Brüdern im Nebel“, so nannte Kardinal Meißner seine Geheimakte) sehe ich doch deutlich klarer.
Das Kölner Gutachten beschreibt das System Köln so:
Allerdings sind die Gutachter in ihrer Arbeit auf ein System der Unzuständigkeit, der fehlenden Rechtsklarheit, der fehlenden Kontrollmöglichkeiten und der Intransparenz gestoßen, das Geheimhaltung jedenfalls begünstigte und an dem viele Beteiligte mitwirkten, auch außerhalb des Erzbistums Köln. Dementsprechend dürfte nicht von „systematischer Vertuschung“ durch Verantwortungsträger des Erzbistums Köln, wohl aber von „systembedingter oder systeminhärenter Vertuschung“ zu sprechen sein (S. 747)
Auch der Blick auf die Betroffenen sei zu dieser Zeit noch nicht so „entwickelt“ gewesen. Er selbst habe erst ab 2008 gelernt, welche katastrophalen Folgen dies für die einzelnen Leben der Menschen haben könne. Dieses Bewusstsein und diese Kenntnis habe man damals nicht gehabt. Er habe es auch nicht als seine Aufgabe als Leiter der Personalabteilung verstanden, sich um das Wohlergehen der Betroffenen zu kümmern. (S. 236)
Das lässt darauf schließen, dass strukturelle Probleme, Autoritätsstellungen oder Machtstrukturen wesentliche Faktoren zur Begünstigung sexuellen Missbrauchs sind und es sich inhaltlich nicht um eine spezifisch der kirchlichen oder seelsorgerischen Tätigkeit anhaftende Gefahr handelt. (S. 162) (Verfasserin: Wo gibt es in der Gesellschaft sonst noch so unhinterfragte Machtstrukturen?)
Was fehlt in diesem System aus Sicht der Verfasserin?
- „Wie eine fürsorgliche Mutter“ (Papst Franziskus) oder
- „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Jesus von Nazareth)
- Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein und Grundkenntnisse über die eigenen psychischen Denk- und Verhaltensmuster (Verfasserin)
Handlungsempfehlungen des Gutachtens: (Überschriften des Gutachtens)
- Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen
- Aufklärung von Verdachtsfällen
- Sanktionierung von Fehlverhalten
- Monitoring und Wissensmanagement (Einführung eines zentralen Verfahrensregisters, internes Kontroll- und Evaluierungssystems)
Handlungsempfehlungen „einer fürsorglichen Mutter“
- Neben innerer Einkehr und Meditation eine psychotherapeutische Beratung (persönliche Stärken und Schwächen, „Blinde Flecken“, Wiederholung immer gleicher Verhaltens- und Abwehrmuster, etc.) (in Ermangelung eines Gesprächs mit einem „guten“ Freund außerhalb der „Familie“ wie es vermutlich Manfred Lütz empfehlen würde)
- Der wertschätzende und ergebnisoffene Austausch mit Anderen (Betroffenen, Bischöfen, Klerikern, Laien) innerhalb und außerhalb des eigenen „hierarchischen“ Systems
- die konstruktive Weiterentwicklung des Kölner Erzbistums vor allem im Austausch und in der Zusammenarbeit mit Klerikern und Laien im Synodalen Weg und der Umsetzung der dort getroffenen Beschlüsse.
- Auswertung wissenschaftlicher Studien zur Compliance in Organisationen und zu „good Leadership“ im Gegensatz zu „dark Leadership“
- Nicht die „Einheit der Kirche“ als Machtsystem an oberster Stelle, sondern das Zulassen und Fördern sehr unterschiedlicher Wege zu Gott und zur eigenen Berufung.
Aufzeichnung der Pressekonferenz vom 18.03.2021
Stellungnahme der organisierten katholischen Frauen im Erzbistum Köln (KDFB, kfd, Maria 2.0)
Alle Beiträge ansehenKunsthistorikerin, Technik-Freak, Frauenbund-Fan seit 30 Jahren. Neugier und Ausprobieren sind meine Leidenschaft. Der Frauenbund passt zu mir. In den letzten dreißig Jahren hat er sich sehr verändert und ist sich doch immer treu geblieben. Er ist meine spirituelle Heimat. Wenn es ihn nicht gäbe, wäre ich längst aus der „Kirche“ ausgetreten - wie so viele in meiner Generation der in den 50er Jahren des letzten Jahrtausends Geborenen. Ich freue mich auf die neue „Blog-Erfahrung“ und bin gespannt, wie sich so Gedanken teilen lassen.
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