
Letzte Woche habe ich eine Rechnung bekommen. Von meinem Autohaus. Ich war ziemlich verwirrt, weil ich in letzter Zeit gar nicht dort gewesen bin. Noch seltsamer erschien mir die Post, als ich den Text auf der Rechnung gelesen habe: „Radeinlagerung Sommerräder, zwei Saisons.“ Und erläuternd dazu: „Sehr geehrte Frau Pfann, sollten Sie Ihre Sommerräder im Oktober 2020 noch abholen wollen, kann eine Saison storniert werden“.
Ich hatte gar nichts verstanden und habe deshalb im Autohaus angerufen. Denn was sollte storniert werden? Ich hatte meine Sommerräder doch auf dem Auto. Der freundliche Service-Mitarbeiter hat mir dann gesagt, das Gegenteil sei der Fall. Ich würde mit Winterreifen fahren, den ganzen Sommer schon, ich hätte sie nicht gewechselt. Ich habe das verneint und behauptet, ich wäre doch, wie jedes Jahr, im April da gewesen. Während er im Computer nachschaute begann ich nachzudenken und erste Zweifel kamen auf. Hatte der Mann womöglich recht? Ich versuchte mich an den Besuch im Frühjahr und den Reifenwechsel zu erinnern. Aber da waren keine Bilder in meinem Kopf. Er hatte tatsächlich recht. Und ich – im Gegensatz zu meinem Sohn ohne jegliche Leidenschaft für Autos – hatte schlicht weder beim Fahren noch beim Draufschauen auf die Räder gemerkt, dass ich tatsächlich bei 35 Grad mit Winterreifen unterwegs gewesen bin. Ich war so konsterniert, dass ich gar nicht dazukam anzusetzen und dem Autohaus zu sagen: „Es wäre nett gewesen, Sie hätten mir diesen Brief im Mai geschickt, nicht erst im Oktober.“
Nun gut, habe ich gedacht, das passt zu diesem Jahr: Das Eine ist in das Andere hinübergeflossen. Das Frühjahr in den Sommer, der Sommer in den Herbst. Das Schuljahr hatte sich schon seit Mai davongeschlichen, die Fußballsaison meiner Tochter ist aus der Winterpause erst gar nicht mehr zurückgekommen. Die Arbeit im homeoffice war in ständiger Sichtweite. Wir wussten manchmal nicht mehr, ob es Wochenende ist oder nicht.
Ich werde meine Sommerreifen im Oktober nicht mehr abholen und aufziehen lassen. Auch wenn der Gedanken, die Sommersaison damit nachträglich stornieren zu können, interessant klingt. Jetzt lasse ich lieber den Herbst in den Winter fließen – und bin mit meinen gut eingefahrenen Winterreifen wenigstens dieses Mal meiner Zeit ein kleines bisschen voraus 😊.
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Sie wirkt fast etwas aus der Zeit gefallen diese Begebenheit. Es wird sie bald nicht mehr geben die Autohöuser, gestriger als Telefonzellen. Dem smarten Allwetterreifen gehört die Zukunft…bevor es endgültig auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt wird…das Auto.
Liebe Frau Pfann, ich schmunzle sehr über Ihre Geschichte! Sie hätte mir ebenso passieren können. Die Welt scheint aus der Zeit gefallen. Manchmal weiß ich nicht mehr, was vor zwei Tagen war, so schnell überschlagen sich die Ereignisse. Etwa wenn eine Corona-Verordnung die andere jagt. Und manchmal fließt die Zeit unenndlich langsam und monoton vor sich hin und wird zu einem zähen Brei. Unsere Situation gerade ist im wahrsten Sinne des Wortes ver-rückt!
Das Angebot, jetzt noch Räder Richtung Sommerreifen zu tauschen, kann man nur mit Humor nehmen. Oder man kommt dadurch auf die Idee, statt der Räder das Autohaus zu wechseln…:-)
Eine sehr schöne Begebenheit, die mich zum Schmunzeln gebracht hat..
Es ist doch immer wieder schön, wenn man sich selbst überrascht.
Ich finde für das „Nicht immer perfekt zu sein und alles im Griff zu haben“, kann man sich ruhig mal auf die Schulter klopfen.