
Was geschieht, wenn man tagsüber einen offenen Kirchenraum betritt? So manches und verschiedenes.
Der Raum ist jedenfalls nicht mehr leer! Ich bevölkere gemeinsam mit meiner kleinen Tochter die Kirche. Wir vertreten dann für diese Zeit das Gottesvolk, mal exklusiv und mal in kurzer Gemeinschaft mit Fremden oder Bekannten.
Manchmal spricht ein Satz aus dem ausliegenden Lektionar mich an. Neulich: „Folge diesem Wagen“, sagt biblisch der Geist zu Philippus, der bald danach einen Äthiopier tauft (Apg 8,29 ff). Dass ich meine Kleine just im Kinderwagen liegen habe, macht dann ebenfalls Sinn, auch wenn ich nicht vorhabe, sie eigenhändig zu taufen.
Meistens spazieren wir erstmal ein Stück durch die Kirche. Mal wird der Spaziergang zur Prozession, in meiner Lieblingskirche, wo viel Platz ist, manchmal sogar zum Tanz. Hier ist auch der Tabernakel gut erreichbar und ich versuche, Christa vom Jesus-Brot darin zu flüstern. „Jesus hat gesagt, dieses Brot bin ich selbst. Nehmt und esst von mir, denn wir gehören zusammen.“ Lächelnd merke ich, dass Stillen dem durchaus ähnelt.
Falls Kerzen brennen, schauen wir die Flammen an. „Nein, Christa, die darf man nicht anfassen. Die Flamme ist ein Feuer und sehr, sehr heiß.“ Gelegentlich zünden wir selbst ein Lichtlein an: für Menschen, die erkrankt, in Sorge, verstorben oder frisch geboren sind.
Oft singen wir etwas. Kraftvoll beispielsweise eines meiner Lieblings-Glaubenslied, was mir Verbindung zu Gott und zu anderen Menschen beschert. Oder wir singen zusammen: Meine Tochter quietscht zwei Töne Babymelodie, ich singe ihr Echo und wir lauschen gemeinsam dem Hall. Oder ich summe ein Taizé-Lied, so leise wie möglich, um die Anderen nicht zu stören, die gerade in der Kirche sind.
Und dann passierte es kürzlich, dass einer dieser Anderen näher kommt und sich als KNA-Fotograf vorstellt, der auf der Suche ist, Spiritualität in Corona-Zeiten abzubilden. Ob wir zufällig ein Momentchen Zeit und Lust hätten, ihm weiterzuhelfen. Ich glaube seiner Kamera, denn die Visitenkarten reichen wir uns erst zum Schluss, und sage zu – wir sind die Richtigen für seine Suche. Wir zünden für die Kamera zwei Extra-Kerzchen an, sitzen singend in der Bank, schauen fromm und schieben schließlich fotogen in Richtung Ausgang. Im Gegenzug erhalte ich eines der Fotos zur Verwendung im #frauenbundblog.
Oft übrigens schläft meine Tochter einfach, so dass ich alleine etwas Zeit habe – meist um mit Worten zu beten, aber wenn nötig auch, um ebenfalls ein Nickerchen zu machen. Wenn wir „im Haus des Herrn wohnen“ dürfen (Psalm 23), dürfen wir wohl auch dort ausruhen.
Mal sehen, was beim heutigen Kirchenbesuch geschehen mag. Ich hoffe, wir behalten diese gute tägliche Gewohnheit bei, wenn nach und nach auch wieder alles andere erlaubt sein wird.
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Danke für dies wunderbare Foto, liebe Regina – und lieber Fotograf! Und für die geteilte Erfahrung, allein in einer Kirche auch mal zu singen oder zu tanzen – habe ich mir auch angewöhnt – naja, eher das Singen. Es tut gut, einfach nur mal still zu werden, denn trotz allen Stillstands ging es bei mir alles andere als still zu, permanente Videokonferenzen über Prüfungsangelegenheiten, über Lehrangebote online, alles weiter, weiter, fast mit größerer Intensität als vorher – also schwinge ich mich seit April häufig aufs Rad und schaue in unserer Kirche vorbei – und sehe, wie viele andere das auch machen. Ist ja doch systemrelevant, so ein offene Kirche.