
Ja, was gibt es Neues? Alle PatientInnen, die mit Corona bei uns waren, sind wieder gesund. Also, soweit man das beurteilen kann, denn man spricht in den Medien ja auch von Folgeschäden des Virus. Doch die zeigen sich wohl erst später.
Die MitarbeiterInnen sind froh darüber, dass es keinen Corona-Todesfall gab. Als die erste intensiv behandelte Patientin kurz vor Ostern wieder selbst und ohne Hilfe von Geräten atmen konnte, da ging auch ein großes Aufatmen durch die Pflegenden, ÄrztInnen – ja durch das ganze Haus.
Es waren nicht sehr viele PatientInnen, die wegen Corona bei uns versorgt werden mussten. Deutlich mehr „Verdachtsfälle“, also Menschen, bei denen der CoVid-19-Virus vermutet wurde, waren stationär aufgenommen. Sie mussten isoliert in einem Einzelzimmer blieben, bis das Ergebnis feststand. Je nach der Schwere ihrer Symptome blieben sie eine Weile zur Behandlung da oder konnten gleich wieder nach Hause gehen.
Vorsichtshalber waren die IMC (intermediate Care – eine Zwischen-Intensivstation mit Beatmungsplätzen und Überwachungsmonitoren) sowie drei komplette Stationsflure hergerichtet worden. So wie auf dem Foto. Vor jedem Zimmer standen die notwendigen Materialien für den Schutz der MitarbeiterInnen griffbereit und wurden ständig ausgetauscht oder desinfiziert. Täglich kamen neue Bestimmungen, Anweisungen, Verordnungen, Hinweise der Hygiene-Abteilung. Zum Beispiel, wie man sich richtig ankleidet. Und wichtiger noch: wie man sich richtig wieder der Hygiene-Kleidung entledigt, damit man sich dabei nicht aus Versehen infektiöse Tröpfchen ins Gesicht schmiert. Für die MitarbeiterInnen dieser Station eine angespannte, stressige Zeit. Hinzu kam, so berichtete mir die Stationsleitung, dass die gewohnten Abläufe des Teams nicht stattfanden: Teamübergaben? Höchstens zu zweit, wegen des Abstands. ein gemeinsamer Kaffee im Stationszimmer? Genauso schwierig.
Mittlerweile sind die Ansteckungszahlen drastisch heruntergegangen. Die erste Welle – die bei uns wegen der geringen Zahlen eigentlich keine war – ist vorüber. Zwei der drei Stationsflure wurden wieder für den normalen Betrieb geöffnet. Der Flügel der IMC bleibt vorsorglich „Corona-Station“. Für den Fall, dass eine zweite Welle kommt…
Auch für die anderen Stationen im Haus ist nun fast wieder Normalbetrieb angesagt. Die planbaren Operationen finden seit einiger Zeit wieder statt, die Zimmer sind wieder besser belegt. Papas dürfen wieder bei der Geburt dabei sein. Und auch im Familienzimmer, wenn gewünscht. Aber der Besuch durch Papas und große Geschwister oder auch frischgebackenen Großeltern auf der Wöchnerinnenstation ist weiterhin nicht möglich.
Was bleibt? Das Gefühl, die erste Bewährungsprobe überstanden zu haben. Aber auch die Gewissheit, dass die zweite Welle kommen kann. Und wohl auch kommen wird.
Es bleiben zunächst die Minusstunden auf den Dienstzeitkonten derjenigen MitarbeiterInnen, die nicht auf der Corona-Station tätig waren.
Es bleibt das Wissen darum, wie wichtig für die PatientInnen der persönliche, auch körperliche Kontakt mit lieben Angehörigen ist. Und dass keine noch so aufmerksame Pflegekraft oder SeelsorgerIn das aufwiegen können.
Es bleibt eine gewisse Vorsicht im Umgang miteinander, mehr Abstand und ein noch genauerer Blick auf Handdesinfektion. Und mir bleibt die Hoffnung, irgendwann mal wieder unverhüllt zu den PatientInnen gehen zu können. Ohne diesen Mundschutz, der mir den Atem erschwert und der auch für die PatientInnen lästig ist, weil sie ihr Gegenüber nur teilweise sehen und bei dem sie, wenn schwerhörig, nicht von den Lippen ablesen können.
Letztlich bleibt die Erkenntnis, dass plötzlich alles anders sein kann – aber wir uns darauf einstellen konnten, mit Vernunft, Liebe und Phantasie.
Autor
Alle Beiträge ansehenEhemaliges Vorstandsmitglied im Diözesanverband Trier des KDFB – Als Krankenhausseelsorgerin in unserem Seelsorgeteam erlebe ich häufig neue herausfordernde Situationen. Manche Fragen verschärfen sich durch „Corona“, viele neue Erfahrungen wollen gemeinsam mit Patient*innen oder Mitarbeiter*innen eingeordnet werden. Zudem sind meine beiden Eltern „Hochrisikopatienten“, auch für sie gilt es jetzt, besonders vorsichtig und wachsam zu bleiben. Gerne möchte ich im Frauenbund-Blog zur Vielfalt an Erfahrungen beitragen.
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