Fortbildung „Diakonische Leitungsdienste für Frauen in der Kirche“ gestartet

Es war ein bewegendes Wochenende in Waldbreitbach. 16 Frauen aus zehn deutschen Bistümern fanden sich unter der Leitung eines vierköpfigen Leitungsteams zum ersten Kurswochenende ein.

Bereits 1999-2003 und 2003-2006 hatten insgesamt etwa zwei Dutzend Frauen an Diakonatskursen teilgenommen. Danach wurde zunächst kein weiterer Kurs begonnen. Das Thema Diakonat der Frau war kirchenpolitisch in den Hintergrund gerückt, andere Ereignisse wie Missbräuche, Finanzskandale und Strukturdebatten beherrschten die öffentliche Diskussion.

Doch seit einiger Zeit machen Frauen wieder verstärkt auf sich und ihre Berufung aufmerksam. Beim Katholikentag 2018 in Münster war das gut sichtbar: viele trugen den Katholikentagsschal „diakonal“ und zeigten so öffentlich, dass sie den Zugang von Frauen zum Diakoninnenamt – als einem eigenständigen Amt in der Nachfolge Jesu Christi und seiner Zuwendung zu den Menschen –befürworten, ja fordern!

Frauen lassen sich und ihre Berufungen nicht mehr kleinreden. So fordern die beiden großen Frauenverbände KDFB und kfd schon lange den gleichberechtigten Zugang von Frauen zu allen Ämtern. Der Verein „AGENDA – Forum katholischer Theologinnen e.V.“ vernetzt Theologinnen, die akademisch, pastoral und gesellschaftlich tätig sind. Große mediale Beachtung erfährt seit letztem Jahr die Ehrenamtsinitiative Maria 2.0. Auch der Synodale Weg widmet sich in einem Frauenforum eigens den Fragen gleichberechtigter Mitwirkung von Frauen in der Kirche. Junge Theologinnen fordern eine Kirche, die das lebt, was sie verkündet (www.meingottdiskriminiertnicht.de). Aufbruch allerorten.

Am Stand des Netzwerk Diakonat der Frau e.V. beim Katholikentag 2018 konnten Menschen sich als UnterstützerIn des Anliegens „Weihediakonat für Frauen in der katholischen Kirche“ in eine Unterschriftsliste eintragen. Eine zweite Liste füllte sich mit Namen von Frauen, die sich diakonisch weiterbilden wollten. Denn die Zeit schien nun reif, einen dritten Kurs für Frauen zu starten, die sich zum Diakoninnenamt bzw. zu einem diakonischen Leitungsdienst in der katholischen Kirche berufen fühlen.

Die Vorsitzende des Netzwerks Diakonat der Frau e.V., Irmentraud Kobusch beschrieb es als kairos: „Da spricht Gottes Geist. Als wir in den vergangenen Jahren einen neuen Anlauf gewagt und unser Konzept überarbeitet haben, lief es plötzlich. Das Frauendiakonat ist wieder im Gespräch, und zwar auf vielen verschiedenen Ebenen der Kirche. Auch die Frage nach den Ämtern und dem Gesicht der Kirche wird neu gestellt.“ Der Kurs wurde bekannt gemacht, Bewerbungen gingen ein.

Nach einem Bewerbungs- und Auswahlverfahren trafen sich am 11. September 16 Teilnehmerinnen zum ersten Kurswochenende in Waldbreitbach. Für uns Leiterinnen war es bewegend zu hören, welche Wege diese Frauen in der Kirche schon gegangen sind, was sie an Zurückweisung und Verletzung erlebt hatten, wie sie in der katholischen Kirche verwurzelt und beheimatet sind und mit welcher Liebe und Begeisterung sie sich für das Reich Gottes einsetzen. Ihnen allen ist die Zuwendung wichtig zu den Menschen, die am Rande stehen, die in Not und Sorgen sind. Sie alle sind schon beruflich oder ehrenamtlich in den verschiedensten diakonischen Feldern tätig. Diese Frauen sind bereit, viel Zeit und Engagement und Geld zu investieren, um sich in diesem Kurs zusätzlich fortzubilden – und sich auf einen persönlichen geistlichen Weg zu begeben.

Das Curriculum des dreijährigen Kurses ist angelehnt an die Ausbildungsinhalte von Diakonatsbewerberkreisen für Männer. Die Kursabschnitte orientieren sich an den Grundvollzügen der Kirche. Diakonia: Wo identifizieren wir Not – und wie können wir uns diesen Menschen zuwenden, sie adäquat und fachlich kompetent unterstützen? Martyria: Wie legen wir in der heutigen Zeit glaubwürdig Zeugnis für den menschenfreundlichen Gott ab? Liturgia: Wie können wir das, was wir in unserem Dienst mit den Menschen erleben, rituell und liturgisch aufgreifen und feiern? Koinonia: Wie können wir als gläubige Frauen in spiritueller Weggemeinschaft miteinander unterwegs sein.

Allen ist bewusst, dass derzeit die Weihe für Frauen nicht möglich ist. Mit dieser Spannung werden die Teilnehmerinnen weiterhin umgehen – unterstützt von ihren Geistlichen Begleiterinnen im jeweiligen Lebensumfeld sowie dem Leitungsteam des Kurses.

Das Auftaktwochenende im September war bewegend, kraftvoll und ermutigend. Unter anderem konnten alle Frauen, Teilnehmerinnen und Teamerinnen, je ein schmales Stück eines Mandalas individuell gestalten. Zusammengelegt ergab sich das Bild, das Sie oben sehen. Jede bringt ihren Teil ein, ihre Lebenswirklichkeit, ihre eigenen Farben, ihre Verletzungen und Schwierigkeiten, ihre Möglichkeiten, Talente und Hoffnungen.

So wird aus vielen kleinen Teilen ein großes Ganzes. Mit Gott in der Mitte. Ein starkes Bild für den Kurs – und für eine lebendige Kirche in Vielfalt und gegenseitiger Achtung.

https://www.katholisch.de/artikel/26818-wo-sich-frauen-schon-jetzt-auf-den-diakonat-vorbereiten

 

 

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One Comment

  1. Monika Urban 1. November 2020 at 19:37

    Das ist ja stark, dass es einen neuen und dritten Anlauf gibt und 16 Frauen bereit sind, sich ausbilden zu lassen für den Dienst der Diakonin! Vielleicht ist die Zeit reif(er) als vor 20 Jahren und die Verantwortlichen der Kirche schenken dem Aufmerksamkeit und Würdigung. Es geht um Glaubwürdigkeit und Sendung in die Welt heute!

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