
Manchmal liegen die Antworten zu den ganz großen Fragen im Detail. Was glaube ich eigentlich wirklich…
Der Frauenbund setzt sich für eine geschlechtergerechte Kirche ein? Wie macht er das?
Oh da gibt es viele Möglichkeiten, Einflussnahme auf den synodalen Weg in Deutschland, Organisation von Frauengottesdiensten, Ausloben von Frauenpredigten und so weiter und so weiter. Alles hat mit Lesen, Hören, Denken zu tun.
Und dann war ich auf Reisen in England und was fand ich in Ely in der großen Kathedrale in der Lady Chapel? Einen Marien Altar, der seinen Namen wirklich verdient.
Hier wird ohne Worte augenfällig, was ich über die große Frage der Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche fühle …
Ich betrete den Raum und bin überwältigt, natürlich von der spätgotischen Architektur mit ihrer Höhe, Weite und dem Licht, von der spätgotischen Bilderhauerkunst mit ihrer Liebe und dem Witz zum Detail, sowie dem die „Unendlichkeit“ spiegelndem Maßwerk – aber das alles war nur der Hintergrund für den Altar – auf den sich alle Blicke konzentrieren.
Was ich sehe, ist nicht das was ich erwartete: der gekreuzigte Jesus, eine Maria Himmelfahrt, eine trauernde Gottesmutter oder ähnliches.
Was ich tatsächlich sehe, öffnet mir das Herz:
Eine junge Frau – kein Mädchen!
Sie neigt den Kopf und blickt mich auffordernd an: Sieh was ich dir geschenkt habe!
Die Arme hoch erhoben: Sie betet? Sie weist auf den Himmel und auf Gott? Sie trägt zwischen ihren Händen die Welt(kugel)?
Das Kleid ist blau wie häufig bei Maria. Für mich sehe ich die Unendlichkeit des Himmels und des Wassers, die Luft zum Atmen und das Wasser des Lebens – Geschenke Gottes an die Menschen, damit sie leben können.
Der Gürtel und die Haare sind golden – wertvoll und selten.
Und was steht auf dem Altar? „THE WORD BECAME FLESH AND DWELT AMONG US FULL OF GRACE AND TRUTH“ Ich würde das in Anlehnung an die Bibel in gerechter Sprache so für mich übersetzen: „Der Geist (nicht Wort) wurde Mensch und weilt(e) unter uns … voller Gnade und Weisheit (statt Wahrheit).“
Damit ändere ich zwar die christlich theologische Bedeutung, aber das ist für mich so stimmiger und universeller.
Tja und da ist sie nun die Antwort auf die große Frage. Dies ist meine „Frohe Botschaft“ nicht der Opfertod, sondern die Menschwerdung und die damit verbundene Erlösung. Damit hätte ich dann auch noch die Frage nach meinem Lebensmotto beantwortet: Lebe mit wohlwollendem Verstehen für die Menschen, die dich umgeben, und bemühe dich in allen Lebenslagen um Wahrheit und Weisheit.
Was meint ihr dazu? Habt Ihr Anmerkungen oder Ergänzungen? Dann schreibt an kontakt@frauenbund-koeln.de
Den Artikel gibt es auch auf der Homepage des KDFB Diözesanverbandes Köln
Alle Beiträge ansehenKunsthistorikerin, Technik-Freak, Frauenbund-Fan seit 30 Jahren. Neugier und Ausprobieren sind meine Leidenschaft. Der Frauenbund passt zu mir. In den letzten dreißig Jahren hat er sich sehr verändert und ist sich doch immer treu geblieben. Er ist meine spirituelle Heimat. Wenn es ihn nicht gäbe, wäre ich längst aus der „Kirche“ ausgetreten - wie so viele in meiner Generation der in den 50er Jahren des letzten Jahrtausends Geborenen. Ich freue mich auf die neue „Blog-Erfahrung“ und bin gespannt, wie sich so Gedanken teilen lassen.
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