Nun ist die Fastenzeit vorbei, Süßes und ein abendliches Glas Wein gönne ich mir wieder. So weit, so normal. Doch heute bekomme ich keinen Kuchen. Ich bin ich traurig – und das liegt, Sie ahnen es, am Distanzgebot wegen Corona.

Denn heute hat ein junger Mann Geburtstag, mit dem ich gerne gefeiert hätte. Finan wurde am 14.04.2018 geboren. Er ist das vierte Kind einer eritreischen Familie. Der Vater ist aus Eritrea über Äthiopien, durch die Sahara und übers Mittelmeer vor dem Unrechtsregime seiner Heimat geflohen. Über ein Jahr hat er gebraucht, bis er in Deutschland angekommen war. Wir lernten ihn kennen, weil meine Eltern ihm im Oktober 2015 die Wohnung meiner verstorbenen Oma vermietet hatten. Im Dezember 2015 erhielt Isayas die Erlaubnis, seine Familie nachzuholen. Seine Frau floh sofort mit den drei Kindern aus Eritrea nach Äthiopien, um über die dortige Botschaft die Visa für den Familiennachzug zu beantragen. Ich weiß nicht, was in dieser Botschaft los ist – aber die Beantragung der Visa für den Familiennachzug, das war ein marathonmäßiger nervenaufreibender Kampf, der hauptsächlich von hier aus geführt werden musste.

Im Juli 2017, nach mehr als anderthalb Jahren und über ein Jahr nach Vorliegen aller geforderten Dokumente, DNA-Proben usw., kam dann endlich die befreiende Nachricht: die Visa sind erteilt, Flüge können gebucht werden. Die ganze Familie von Isayas hatte zusammengelegt, um die Reise für seine Ehefrau und Kinder bezahlen zu können. Welche Freude, als wir sie mit einem gemieteten Kleinbus in Frankfurt am Flughafen abholen konnten! Alle waren gekleidet wie für eine Hochzeit.  Und mal ehrlich: war es nicht viel mehr? Ein Vater kann seine Familie in das neue Zuhause holen. Die jüngste Tochter, Betty, hat er dort auf dem Flugplatz zum ersten Mal überhaupt gesehen! Seine Frau war schwanger mit ihr gewesen, als er den gefährlichen Exodus gewagt hatte.

Ein Dreivierteljahr nach der Familienzusammenführung wurde dann Finan geboren. Es ergab sich, dass ich die Eheleute an jenem Samstag ins Krankenhaus zur Untersuchung begleitet habe. Die Wehen hatten schon eingesetzt, es war klar, dass Finan bald geboren würde. Die Eltern wollten, dass ich bei ihnen bleibe. Wir kannten uns bereits gut, da war Vertrauen gewachsen. Als ehemalige Geburtsvorbereiterin hatte ich schon einige Geburten begleitet, so war es mir eine Freude, auch Nebiat beizustehen.

Solch ein gemeinsames Erlebnis prägt. Und wenn ich auch alle Familienmitglieder sehr mag – Finan ist mir besonders ans Herz gewachsen.

Heute wird er zwei Jahre alt. Doch ich muss meinen Geburtstagsbesuch bei Finan auf unbestimmte Zeit verschieben. Umso mehr denke ich heute an ihn und an seine Geburt vor zwei Jahren. Und ich bin froh, dass Isayas den gefährlichen Weg nach Deutschland geschafft hat – mit Gottes Hilfe. Wie sagt unser ehemaliger Ortsvorsteher, zufällig der direkte Nachbar von ihnen, häufig: diese Familie ist eine Bereicherung für unser Land.

Herzlichen Glückwunsch, Finan, und bis bald!

One Comment

  1. Maria-Brigitte Falkenberg 17. April 2020 at 17:11

    Sehr ermutigend finde ich die Beiträge. Ein wirksames Gegengewicht Contra Schwarzsehen und rassistischen Äusserungen. Die Helfenden fühlen sich gebraucht und beschenkt und bleiben die wertvollsten Mitglieder einer gesunden Demokratie.

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