
Brigitte Schmidt schreibt:
„Anhänger des Weges Jesu“ – so lautete nach Jesu Tod und Auferstehung (vgl. Apg 9,2) die früheste Bezeichnung für die ersten Jünger und Jüngerinnen. Das klingt schlicht, passte jedoch gut zu dem Wanderprediger aus Nazareth, der von sich selbst als ‚Weg‘ sprach und Männer und Frauen dafür gewonnen hatte, bei ihm zu bleiben und hinter ihm her zu gehen. 15 in Beruf und Familie bewährte Frauen aus den verschiedensten Regionen Deutschlands nehmen seit September 2020 an der Fortbildung „Diakonische Leitungsdienste für Frauen“ teil. Sie haben sich dafür entschieden, ihr Leben in der Spur Jesu zu gestalten. Dieses Jesus, der seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte zum Zeichen dafür, dass es ihm nicht um Machtausübung über andere ging, sondern um Dienst.
Weil von allen Beteiligten Wert auf Präsenztreffen gelegt wurde, war innerhalb der dreijährigen Fortbildung des Netzwerks Diakonat der Frau nach fast einem Jahr coronabedingter Pause im August 2021 quasi ein Neustart erforderlich. Doch die Gruppe hat wieder gut zueinander gefunden und nun geht das erste Fortbildungsjahr, in dem die Diakonia, das diakonische Handeln der Kirche im Focus steht, in die Endphase. Auf dem Klosterberg bei den Waldbreitbacher Franziskanerinnen stets gastfreundlich aufgenommen, wurden an den bisherigen Kurswochenenden mit Unterstützung kompetenter Referent*innen die biblischen, geschichtlichen und theologischen Grundlagen des Diakonats als Parteinahme für die Armen und alle, deren Würde beschädigt ist, erarbeitet. Es gab fachliches und kollegiales Coaching für die Entwicklung und Durchführung eines Projektes im selbst gewählten diakonischen Praxisfeld, ein solches Projekt ist fester Bestandteil der Fortbildung. Im Mai stehen noch „Stille Tage“ auf dem Programm. Die Frauen können auf ihrem je persönlichen geistlichen Weg Stärkung und Ermutigung erfahren und im Miteinander Weggefährtinnenschaft erleben. Trotz aller kirchlichen Hindernisse in größtmöglicher Offenheit hineinzuwachsen in die Spiritualität einer Diakonin als Stellvertretung des dienenden Christus, darin besteht die Herausforderung.
In dieser kirchenpolitisch spannungsreichen und spannenden Zeit bereitet es unserem vierköpfigen Leitungsteam sehr viel Freude, diese religiös motivierten und hoch engagierten Frauen durch den Kurs zu begleiten, und auf diese Weise ein konstruktives und kreatives Zeichen für ein neues, geschlechtergerechtes und diakonisches Gesicht der Kirche Jesu Christi zu setzen. Bisheriges Highlight: der Besuch des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing. Solche bischöfliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung hat weder der erste noch der zweite Diakonatskreis erfahren dürfen, das weckt Hoffnung!
In verschiedenen Deutschen Diözesen hatten sich bereits vor dem II. Vatikanischen Konzil Männer in vorauseilendem Gehorsam auf den Ständigen Diakonat vorbereitet. Seit Ende der neunziger Jahre gehen nun Frauen unverzagt und beharrlich voran auf ähnlichem Wege. Sie erwerben die Kompetenzen für den Dienst als Diakonin und stehen mit ihrem Lebenszeugnis für die Anerkennung ihrer Berufung ein. Doch anders als für die Männer bleibt für die gut ausgebildeten Frauen die Frage: Werden sie auch den Tag ihrer Weihe erleben?
Bei der Synodalversammlung Anfang Februar in Frankfurt gab es bei der 1. Lesung des Handlungstextes „Diakonat der Frau“ immerhin eine Zustimmung von rund 80% der Synodal*innen. Bei der 2. Lesung allerdings kommt alles auf die nötige Zweidrittelmehrheit der Bischöfe an. Dann könnte der Weg über ein Indult (eine Ausnahmeregelung zum derzeit gültigen Kirchenrecht) beschritten werden.
Es darf nicht dabeibleiben, dass von Gott berufene Frauen durch die Kirche daran gehindert werden, ihre Berufung zu leben! Gemeinsam mit vielen anderen engagiere ich mich dafür, dass Frauen ihre Berufung zur Diakonin leben können und dürfen und vertraue auf Gottes Hilfe wie Gertrud, die Große, von Helfta, die in ihrer Zeit damit positive Erfahrungen machte: „Und wenn Du siehst, dass wir voll Vertrauen uns auf Deine Hilfe verlassen, dann kämpfst Du für uns unseren Kampf.“

Brigitte Schmidt ist Mitglied im Leitungsteam des 3. Diakonatskreises für Frauen.
Alle Beiträge ansehenUnter diesem Profil "Gast-Blog" sind Sie herzlich eingeladen, selbst zu schreiben. Erzählen Sie uns, wie es Ihnen geht. Möchten Sie eigene Erfahrungen, oder ein besonderes Thema einbringen? Wir freuen uns darauf! Bitte schicken Sie Ihren Text und, wenn Sie möchten, ein Bild zum Blog-Eintrag (inkl. Fotonachweis) unter Angabe Ihres Namens, evt. Ihrer Funktion/Beruf/Perspektive und Ihres Wohnortes an info@frauenbundblog.de
Mit der Einsendung legen wir Ihr Einverständnis zur Veröffentlichung, sowie zur Bewerbung über sämtliche Medien-Kanäle des KDFB zu Grunde. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht trotz Einsendung nicht. Weitere Informationen zum Verband finden Sie auf: www.frauenbund.de
Weitere Beiträge auf dem #frauenbundblog
Endlich drei Rentenpunkte für alle Mütter!
Von Dr. Gerlinde Wosgien|Schlagwörter: Beruf / Arbeitswelt, Frauen, Gemeinschaft / Solidarität, Politik|1 Kommentar
Vermutlich haben Sie es auch in den Nachrichten mitbekommen. Im Sondierungspapier von Union und SPD ist die Erweiterung der Mütterrente vorgesehen: „Wir vollenden die Mütterrente mit drei Rentenpunkten für alle - unabhängig vom Geburtsjahr der Kinder -, um gleiche Wertschätzung [...]
Forum Gleichstellung: Der geheime Booster für Regionen
Von Gast-Autorinnen|Schlagwörter: Beruf / Arbeitswelt, Erneuerung / Zukunft, Frauen, Gemeinschaft / Solidarität, Natur / Umwelt, Vielfalt / Gleichheit|0 Kommentare
Edith Werner schreibt: Beim Zukunftsforum Ländliche Entwicklung 2025 in Berlin, veranstaltet von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen sowie den Landfrauen des KDFB durfte ich als Bildungswerkvorsitzende der Diözese Würzburg und kommunale Gleichstellungsbeauftragte teilnehmen. Bei der Input-Präsentation der BAG-Studie von [...]
Eine Stimme für Menschlichkeit
Von Claudia Schmidt|Schlagwörter: Furcht / Angst, Gemeinschaft / Solidarität, Vielfalt / Gleichheit|1 Kommentar
Ein Freund hat mir ein Video geschickt. Es zeigt die Predigt der Bischöfin Mariann Budde im Amtseinführungsgottesdienst von Donald Trump. Ernst, besonnen, ruhig und wahrhaftig spricht diese mutige Frau den Präsidenten direkt an und sagt: „Im Namen unseres Gottes bitte [...]
Kartoffeln schälen und vieles mehr
Von Dr. Gerlinde Wosgien|Schlagwörter: Frauenbundfrauen, Gemeinschaft / Solidarität, Werte / Positives|0 Kommentare
Kürzlich habe ich an einem eintägigen Online-Seminar der Akademie der Bayerischen Presse teilgenommen. Wir waren eine überschaubare Gruppe von drei Teilnehmerinnen. In der Vorstellungsrunde erzählte jede von uns, in welchem Bereich sie tätig ist und für welche Organisation sie [...]
Synodaler Ausschuss: Von besonderen Gästen und einem modernen Marienbild
Von Dr. Maria Flachsbarth|Schlagwörter: Erneuerung / Zukunft, Gemeinschaft / Solidarität, Kirche / Ämter|1 Kommentar
Am Freitag und Samstag vor dem 3. Advent hat sich der Synodale Ausschuss in Wiesbaden Naurod zu seiner dritten Sitzung getroffen – für den Frauenbund bin ich als Delegierte dabei. Die Ergebnisse hat das ZdK in seiner Pressemeldung gut [...]
Ein Herz, das von Herzen kommt!
Von Dr. Gerlinde Wosgien|Schlagwörter: Frauen, Gemeinschaft / Solidarität, Krankheit / Alter, Krise / Einsamkeit, Liebe / Freude, Werte / Positives|0 Kommentare
Ich gestehe: Ab und zu schaue ich auch am Wochenende in meine dienstlichen Mails. Am vergangenen Samstag hat diese Mail meine Stimmung, die angesichts des trüben Wetters und vorweihnachtlichen Trubels ohnehin nicht auf dem Höhepunkt war, sehr gesteigert: „Liebe unbekannte [...]