Es ist mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. Das Büro habe ich bereits am Mittwoch aufgeräumt und sorgfältig abgeschlossen. Heute ist noch Homeoffice angesagt. Einige Mails sind abzuarbeiten, ein paar Telefonate zu erledigen, sonst läuft es eher aus. Ein ungewohntes Gefühl: In anderen Jahren gab es Hektik bis zum Schluss. Corona entschleunigt.

Urlaub. Sehnsuchtsbilder steigen vor meinem inneren Auge auf. Wie werde ich diese Zeit verbringen? Nicht nur ich stelle mir diese Frage. Auch viele andere wollten von mir in den letzten Tagen wissen: „Verreisen Sie?“ Im Corona-Jahr ist das besonders spannend: Wer macht was in diesem Sommer?

Die Antworten sind sehr verschieden. Erstaunlich viele bleiben zuhause, habe ich gehört. Sie haben sich nichts Festes vorgenommen, verbringen die Zeit im Garten oder mit dem Rad, freuen sich, die Kinder und Enkel verstärkt zu sehen. Wir, die große Reisenation, entdecken in diesem Sommer 2020 unsere Umgebung neu, machen Ausflüge um die Ecke und nehmen wahr, wie schön es bei uns ist.

Andere haben Reisepläne umgestellt und fahren in irgendeinen Winkel von Deutschland, der ihnen sonst nie in den Sinn gekommen wäre. Jede Gegend hat ihren Reiz. Nicht Thailand, nicht Marokko, nicht die Balearen, sondern der Thüringische Wald oder das Saarland werden zum Erholungsresort. Wie viel brauchen wir zum Entspannen? Eine andere Tapete, einen neuen Blick, ein wenig Natur, die Einfachheit des Daseins… Maßstäbe verschieben sich.

Und ich? Und wir? Wir fahren nach Holland. Vermutlich. Der Urlaub ist lange gebucht. Ein Häuschen für uns, das macht im Moment Mut, dass es gehen könnte. Alle paar Tage schauen wir auf die Infektionszahlen, die wir dank Internet und internationaler Institute von jeder Region der Niederlande passgenau abrufen können. Während Amsterdam einem Hotspot gleicht, ist es in unserer Urlaubsgegend noch ruhig. Änderung jederzeit möglich.

Ich empfinde einmal neu, dass „Vorläufigkeit“ das große Stichwort dieses Sommers ist. Es gilt immer, weil Leben immer unplanbar bleibt. Dieses Jahr gilt es mehr als sonst. Also versuche ich mich auf Flexibilität einzustellen. Wenn das eine nicht geht, geht etwas anderes. Irgendetwas geht immer. Zumindest, was den Urlaub anbetrifft. Das rückt Wichtigkeiten zurecht. So viele Menschen müssen Unsicherheiten ganz anderer Art ertragen. Da ist eine Reise wahrlich nicht die Entscheidung über Glück oder Unglück.

Corona verändert den Blick. Lenkt meinen auf die Frage: Was wünsche ich mir für den Urlaub? Ich muss nicht lange überlegen: Zeit und Achtsamkeit für uns als Familie. Neue Augen für die Natur und die Schönheit, die sich vor uns auftut. Das Loslassen einer Zeit, die anstrengend war. Ein Kräftesammeln für das, was kommt. All das geht überall, wenn die innere Einstellung stimmt, weiß ich.

Gerne würde ich wissen: Wie verbringen Sie Ihren Urlaub? Welche besonderen Erfahrungen machen Sie in diesem Corona-Jahr? Was ist Ihnen neu wichtig geworden? Schreiben Sie uns Ihre Geschichte an blog@frauenbund.de!

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