
Seit gut vier Wochen nehme ich eine neue Dimension wahr – eine schiere Explosion an großartigen Düften. Eigentlich gibt es die alle Jahre im Garten, aber vielleicht ist es die geringere Umweltbelastung, die dieses Erleben heuer so verdichtet. Oder einfach meine eigene Entschleunigung und geringere Ablenkung, die solches bewusster wahrnehmen lässt.
Erst die Maiglöckchen – ein kleiner Bund hüllt die ganze Wohnung in Frühlingsduft. Dann der Flieder, dessen letzte Blüten ich gestern vom Strauch schnitt. Seiner Bewunderung galt mein erster und letzter Gang durch den Garten. Auf jedem Spaziergang freute ich mich über die zahlreichen Fliederbüsche an den Zäunen der anderen, ihr süßes Aroma zog meine Aufmerksamkeit noch mehr an als die herrliche Blütenpracht. Und jetzt sind es die Rosen, die vorsichtig ihre schweren Knospen öffnen: jede Rosensorte riecht anders, ich liebe Duftrosen! Der Strauch vor meinem Büro, die englische Rose unter dem Balkon, die persische an der Gartentür – ich liebe sie alle.
Und vergesse dabei alle Mutlosigkeit über die immer noch strengen Abstandsregeln, mühselige Videokonferenzen und das ungeliebte e-learning. Es ist fast, als möchte die Natur mit ihrer Blütenpracht die Achtlosigkeit der Menschen im Umgang mit ihr durch diese verschwenderische Schönheit überwinden. Etwa nach dem Motto: Du kannst mich gar nicht so sehr ignorieren, als dass ich mich nicht doch in dein Denken einschleichen könnte.
So kann es Pfingsten werden, ein Fest des Geistes Gottes, der das All durchzieht. Und mein kleines Himmelreich, den Garten! Seine Schönheit und sein Duft künden mir vom Paradies. Und erinnern an den Spruch eines früheren Spirituals: Wir Christen sollten den Wohlgeruch Gottes verbreiten, nicht stinken wie ein Puff in San Diego…. Überdiesen Spruch muss ich heute noch lachen!
Alle Beiträge ansehenPandemie ist für mich eine ganz neue Erfahrung, plötzlich Ruhe - nach über 14 Jahren Führung im Bundes- und Landesvorstand. Wo ich im gemeinsamen Wir des KDFB sonst vielfach gefordert war, bleibt jetzt die persönliche Begegnung aus. Vielleicht eine Gelegenheit, unsere Themen, unsere Lebensweise, unsere Gemeinschaft neu zu reflektieren und mit einem Blog gemeinsam an Kommentaren zu wachsen. Allein mit meinem Mann daheim, die Söhne im einigermaßen entfernten München, die Omas als Hochrisikogruppe nur vorsichtig umsorgt – all das ist auch privat nicht ohne. Ob wohl mit Hilfe des Blogs aus der Krise eine neue Chance erwächst? Auch für mich als Theologin eine große Frage!
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