Meine tägliche Kanne Schwarztee ist mir heilig. Am liebsten mag ich Ostfriesentee. Diese Mischung schmeckt besonders herb und intensiv. Dazu muss ich sagen, dass ich meinen Tee -den Ostfriesen zum Trotz- nicht mit Sahne und Kandis mische, sondern mit Zitrone und Honig. Darüber schütteln viele den Kopf, aber was soll ich machen: So liebe ich es!

Heute Morgen gönne ich mir eine kurze Atempause mit einer Tasse Tee auf dem Sofa, bevor der Tag losgeht. Mein Sohn ist schon in die Schule entschwunden. Ich habe Zeit, bevor ich mich durch meine Pflichten und Weihnachtsvorbereitungen ackere.

Eine warme Tasse Tee ist etwas Tröstliches, denke ich. Der Tee wärmt nicht nur meinen Magen, sondern auch mein Herz. Ich brauche das gerade mehr als sonst. Die unsicheren letzten Wochen haben bei mir Spuren hinterlassen. Das dicke Fell ist zu dünner Haut geworden, bei mir und bei anderen, merke ich. Manche Konflikte hat das forciert, ist meine Erfahrung. Es kostet mehr Kraft als sonst, Situationen zu befrieden, Geduld zu haben, immer wieder nach dem richtigen Weg zu suchen.

Neulich hat eine Freundin zu mir gesagt: Das alles ist gerade sehr adventlich. Sie meinte damit, dass es adventlich ist, die Brüchigkeit wahrzunehmen, um die innere Fassung zu ringen und manchmal nicht mehr zu wissen, wo wir die Hoffnung hernehmen sollen.

Ja, das ist adventlich im tiefen Sinn, stimme ich ihr zu. Mehr als der Lichterglanz, die säuselnden Lieder und der Weihnachtsmarkt, der in diesem Jahr ausfällt. Und es ist adventlich, dass ich Ausschau halte nach dem, was mich wärmt im tiefsten Inneren, allen Bedrängnissen zum Trotz.

Mich wärmt mehr als meine Tasse Tee, weiß ich, während ich hier sitze. Mich wärmt der Gedanke an die Menschen, die mit mir die Brüchigkeit aushalten, die mir von ihrer dünnen Haut erzählen, wenn ich an meiner leide, die mich ihre Solidarität wohltuend spüren lassen. Und mich wärmt die Ahnung, dass Weihnachten all das umfassen und bergen kann, was wir gerade erleben. Das ist wahrlich tröstlich, finde ich!

Mit diesem Gedanken trinke ich meine Tasse Tee aus und gehe hinein in diesen neuen Tag.

One Comment

  1. Sr. M. Gabriela Zinkl 17. Januar 2022 at 9:45

    Ach wie schön! Vollste Zustimmung – bis auf das mit der Zitrone :-)

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