
Paris-Reise des KDFB Rottenburg-Stuttgart, Teil 4.
Am vierten Tag unserer Paris-Reise lese ich morgens die Nachrichten über das Desaster beim Synodalen Weg in Deutschland. Ich bin schockiert, dass die deutschen Bischöfe ihre Macht benutzen, um die Laien im Regen stehen zu lassen, und damit den synodalen Prozess aufs Spiel setzen. Dazu passt, dass wir heute auf Madeleine Delbrêls Kirchensicht schauen. Sie beschreibt die Aufgabe ihrer kleinen Frauengemeinschaft folgendermaßen:
„Leute sein, die von Gott überwältigt werden, mitten unter Menschen, die auch nicht anders sind als sie. Leute, die die gleichen Oberen haben wie alle anderen Christen: den Papst und die Bischöfe. Leute, (…) die sich wie die anderen kleiden, wie die anderen wohnen und leben, um zu versuchen, Jesus zu gehorchen, ohne das jemals zu erreichen, und die sich auch eingestehen, dass ihnen das misslingt. (…) Leute, die Gott und seiner Kirche immer angehören, aber nicht wissen wie – und oft auch nicht wo.“
Auch wir fühlen uns oft als Leute, die nicht mehr recht wissen, wie und wo sie zur Kirche gehören… Doch Madeleines Worte stärken und trösten uns ein wenig. Solchermaßen inspiriert fahren wir los zur Sainte-Chapelle, die uns mit ihrer Schönheit überwältigt. Es scheint keine Mauern zu geben, nur Fenster mit Farben und Licht – was für ein wunderbares Bild, wie Kirche sein könnte! Später spazieren wir an Notre-Dame vorbei und sind bedrückt, wie viel Baustelle da noch ist. Wann nur wird all das fertig sein? Die Kirche als große, nie endende Baustelle – vielleicht auch das ein Bild, das treffend ist…
Der Mittag gehört Streifzügen durch das jüdische Viertel. Endlich habe ich Zeit, ein paar Postkarten zu schreiben. Dann laufen wir Richtung Monmartre und besuchen die Sacre Coeur zum Abendgebet. Wir schauen an unserem letzten Abend auf die nächtliche Stadt mit ihren vielen Lichtern herab und landen bei der Busfahrt zurück überraschend auch noch im Vergnügungsviertel rund ums Moulin Rouge. Auch das ist Paris!
Spät sinke ich ins Bett, jedoch nicht ohne vorher nochmals nachgeschaut zu haben: Der Grundtext des Synodalen Wegs über Frauen in Diensten und Ämtern ist verabschiedet! Bevor ich einschlafe, denke ich mit großer Dankbarkeit an alle, die ihn mit ihren Mühen, Tränen und unermüdlichem Krafteinsatz durchs Ziel getragen haben!
Alle Beiträge ansehenIch teile meine Gedanken in diesem Blog, weil ich es kostbar finde einander Anteil zu geben an dem, was uns bewegt, was uns Angst macht und Sorge, was uns froh sein lässt und bestärkt - als Frauen des Frauenbundes, unserer Kirche, unserer Gesellschaft, dieser Welt.
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