Mein Schuh hat ein Loch. Eigentlich müsste ich schon längst neue Schuhe kaufen. Aber ich kann mich nicht erinnern, wann zum letzten Mal ein Schuhladen geöffnet hatte. Es fühlt sich ein bisschen an, wie ich mir früher das Leben in der DDR vorgestellt habe. Da wusste man auch nicht, wann es etwas zu kaufen gibt…

Weil man mit einem löchrigen Schuh nicht weit kommt, habe ich mich gestern kurzentschlossen ins Zentrum unserer Kleinstadt begeben, um mal nach den Lockerungen des Lockdowns Ausschau zu halten. Unsere Inzidenz ist erst kurze Zeit unter 100. Da gilt noch „click & collect“. Für Schuhe eher schwierig. Vermutlich daher hat sich unser einziges Schuhgeschäft am Ort bereits ins „click & meet“ hineingeschmuggelt. Wie auch immer das geht.

Ich erfuhr, dass ich zunächst mal einen negativen Test brauche. Also bin ich schnell losgedüst und habe einen eingeholt. In einem Zelt in der Fußgängerzone machen die das wie beim Brezelbacken. Eine Viertelstunde später war ich wieder zurück und wurde ins Schuhgeschäft eingelassen – um dann als einzige Kundin mit zwei Verkäufer*innen im Laden zu sein und einzukaufen. Mehr Betreuung geht nicht.

Blöderweise waren dafür die Schuhe eher rar. Feste Schnürschuhe für Wind und Wetter – Fehlanzeige. Eher viele Stoffschuhe zum In-der-Waschmaschine-waschen. „Wir kriegen gerade wenig rein, und bestellen dürfen wir nichts, weil so wenig gekauft wird“, entschuldigte sich die Verkäuferin ein wenig kläglich. Corona ist blöd, in vielerlei Hinsicht, dachte ich.

Ich kaufte letztendlich ein Paar Sandalen. Die wollte ich im letzten Sommer schon kaufen, aber da hatte ja auch irgendwie kein Laden auf. Mal sehen, wann es dann Zeit für ein neues Paar Schnürschuhe ist.

So sitze ich heute im Büro mit dem Schuh mit dem Loch. Ich glaube, es hat noch niemand bemerkt. Jedenfalls behalte ich meinen Humor und denke an die Impulse auf Pfingsten hin, die gerade jeden Tag von unserer Pastoral-Seelsorge-Stelle kommen. Dort geht es immer um eine der Tugenden, die als Geistgabe in Gal 5,22-23 aufgeschrieben sind. „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit“, heißt es da. Das klingt ziemlich fromm. Aber ich glaube wirklich, dass wir diese alten Tugenden gerade dringend nötig gebrauchen können. Vor allem die Langmut. Und die Enthaltsamkeit, zumindest was neue Schuhe anbetrifft…

In diesem Sinn: Ihnen schon jetzt ein geist-erfülltes, frohes Pfingstfest!

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