
„Das Leben ist ein Fest“ – dieses wunderbare Buch von Claire Berest habe ich gerade zu Ende gelesen. Es handelt von der beeindruckenden mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo. Was für eine Frau! Trotz ihres schweren Unfalls, den sie mit 18 Jahren erleidet und der ihren Körper verstümmelt, lebt sie ein pralles Leben voller Farben, Ausschweifungen, Intensität und berauschender Liebe zum größten Maler Mexicos, Diego Rivera. Keine Schmerzen, keine Krankenhausaufenthalte, keine Phasen, in denen sie ans Bett gefesselt ist, können Frida davon abhalten, geniale Bilder zu malen, die über die Realität hinausführen und die in aller Welt Bewunderung finden. Gerade eben ist eines davon für 30,7 Millionen Euro versteigert worden! Frida Kahlo wird nur 47 Jahre alt, aber sie erlebt in dieser kurzen Zeitspanne genug für zehn Leben. „Das Leben ist ein Fest“ ist für die zierliche, temperamentvolle Frau eine Ansage, eine Art Trotzreaktion. Ein Fest feiern, weil das Leben schön ist, kann jede*r. Ein Fest feiern wider alle Zumutungen des Lebens, ist die wahre Kunst!
Ist das Leben wirklich ein Fest? Nein, denke ich, im Moment stimmt das für mich nicht. Nach Wochen mit vielen Aktivitäten und Stress schlittern wir ungebremst in den neuen Lockdown. Veranstaltungen werden hektisch abgesagt, Pläne verschoben, die Kontakte werden schon wieder hinterfragt, ob sie nötig sind. Um mich herum kommen die Infektionen näher, viele trifft es, niemand ist sicher. Die Nachrichten machen depressiv, bringen täglich neue Horrormeldungen über viele tausende Ansteckungen, überfüllte Kliniken, Menschen am Limit. Weihnachten wackelt, einmal mehr. Ich blicke in müde, erschöpfte Gesichter, weil wir alle keinerlei Lust mehr haben auf all das.
Das Leben ist ein Fest. Ich überlege mir, ob das nicht trotzdem möglich ist. Und ich merke: Das Leben ist ein Fest, wenn wir uns dazu entscheiden. Wie Frida Kahlo. Wenn wir uns die Freude nicht aus der Hand nehmen lassen. Wenn wir unser Herz nicht durch Angst und Sorge besetzen lassen.
Was macht das Leben zum Fest? Ich meine damit nicht, Party zu machen ohne Rücksicht auf Verluste, wie es manche gerade tun. Ich meine damit, die kleinen Dinge groß sein zu lassen, damit das Leben Glanz bekommt, allen Widrigkeiten zum Trotz. Was fällt mir dazu ein? Gut essen und ein Glas Wein trinken zum Beispiel. Ein Bad nehmen und schöne Musik hören. Einem Menschen sagen, wie wichtig er mir ist. Einen analogen Brief schreiben und mit Herzklopfen auf eine Antwort warten. In der Dunkelheit der Nacht die Feuerschale anzünden und Punsch trinken. Auf einen Berg steigen und von oben auf die Welt herabschauen. Einen Tag lang die Nachrichten schweigen lassen. „Mensch ärgre dich nicht“ spielen und lachen, wenn die anderen gewinnen.
Das Leben ist ein Fest! Wenn wir es wollen, auch heute. Ich probiere es aus.
Was macht Ihr Leben zum Fest?
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