Statt in der Schule sitze ich hier zu Hause am Schreibtisch und versuche, Arbeitsaufträge für meine Schüler so zu gestalten, dass diese – ebenfalls zu Hause – bearbeitet werden können. Verständlich müssen sie sein. Abwechslungsreich sollten sie sein. Ansprechend und motivierend sollten sie sein.

Es ist schon ein sehr seltsames Gefühl, im wahrsten Sinne des Wortes ein Ausnahmezustand. Denn ich hoffe von ganzem Herzen, dass dieser Zustand eine Ausnahme bleiben wird. Schön ist anders.

Meine Arbeitsblätter und Aufgaben lade ich auf unserer Schul-Homepage hoch, meine Schüler können sie dort gezielt abholen und schicken mir dann auch wieder gezielt ihre Ergebnisse zu. Irgendwie ist jede und jeder auf diese Weise eine Insel für sich.

Nach einigen wenigen technischen Anfangsschwierigkeiten klappt es dann aber gut: Die Arbeitsergebnisse überfluten mein Postfach. Die Schüler haben sich größtenteils sehr viel Mühe gegeben. Ihre Gedanken füllen mehrere Seiten, und alle haben es verdient, von mir gelesen und wertgeschätzt zu werden.

Auch wenn ich sie nicht sehe: Ich lerne gerade viel über meine Schüler. Sie machen sich sehr viele Gedanken über die unterschiedlichsten Themen: Ist Gott gut? Warum gab es Kreuzzüge? Was kommt nach dem Tod? Ist der Mensch frei? Worin liegt der Sinn des Lebens? Zunehmend lassen sie auch Persönliches mit einfließen und ich ertappe mich dabei, wie mich ihre Gedanken und Argumente fesseln und auch zum Nachdenken anregen.

Und ich lerne so nebenbei die unterschiedlichen Biorhythmen meiner Schüler kennen: Manches Schülermaterial wird mir um Mitternacht herum zugeschickt, anderes erreicht mich um 5 Uhr morgens, jeder hat zu anderen Zeiten seine geistige Hoch-Zeit. Überfordern wir unsere Jugendlichen, wenn wir sie in das Stundenplankorsett zwängen? Vielleicht ist das eine Anregung für die Schule der Zukunft: Drei Tage konzentrierte Anwesenheit in der Schule, zwei Tage Home-Office eigenverantwortlich mit eigenen Lernzeiten im eigenen Tempo.

Und was lerne ich über mich in dieser Zeit? Ich bin leidenschaftlich gerne Lehrerin – aber das ist mir nicht neu. Was ich gerade wirklich lerne: Ich liebe den direkten Austausch mit den Schülerinnen und Schülern, den Kontakt mit diesen jungen Menschen, das gemeinsame Lachen, die Dynamik eines Gesprächs in der großen Gruppe. Ich merke: Dieser direkte Kontakt zu meinen Schülern fehlt mir …

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