
Grade habe ich den letzten Kürbis eingebracht. Das Gewächs war nicht mehr wirklich ansehnlich, ein ordentlicher Garten sieht anders aus. Der Mond ist angeblich günstig um Ordnung zu schaffen, die Blätter voller Mehltau mitsamt dem dennoch ansehnlichen Kürbis in der Rasenfläche störten inzwischen sogar mich.
Rilke fällt mir ein: „Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren, und auf den Fluren lass die Winde los.“ Gibt es schönere Worte für diese Zeit, genau jetzt? „Befiehl den letzten Früchten voll zu sein…“ Ja, wir hatten wunderbare Sommertage, durften Regen und Fruchtbarkeit erleben, blieben hier im Niederbayerischen verschont von allem Zuviel, was in diesem Jahr nicht jede Gegend von sich sagen konnte. Und dennoch: „Herr, es ist Zeit.“ Das Jahr darf sich runden, ruhig werden, nach innen kehren.
Und mit ihm ich, getröstet und zufrieden mit dem Segen, der geschenkt wurde. Ich freu mich dran, wenn Wiesenflächen besorgt, Felder abgeerntet und Gärten wieder leer sind. Rasten dürfen, dunklere Tage in sich aufnehmen, hineinhören in den Rückzug, den die Natur gerade macht. Wer jetzt allein ist wird es lange bleiben – und vermutlich diesem Zustand wenig schrecklich empfinden. Denn auch allein zu sein hat seine stille Kraft. Wer weiß, was daraus entstehen wird.
Auf jeden Fall birgt die jetzt geschaffene Ordnung den Nährboden für alles Neue, das nächstes Jahr kommen soll. Aufgramt ist, sagen wir Bayern und hören das Recht auf gemütliches Nichtstun mit. Zufriedenheit, gelungenen Abschluss und Stolz auf das eigene Werk. In der hochdeutschen Übersetzung: alles ist wohl bestellt.
One Comment
Hinterlasse einen Kommentar
Weitere Beiträge auf dem #frauenbundblog
Marienaltar in der Kathedrale von Ely – ein Fundstück aus dem letzten Jahr
Manchmal liegen die Antworten zu den ganz großen Fragen im Detail. Was glaube ich eigentlich wirklich… Der Frauenbund setzt sich für eine geschlechtergerechte Kirche ein? Wie macht er das? Oh da gibt es viele Möglichkeiten, Einflussnahme auf den synodalen Weg [...]
Damit aus dem Weltfrauentag der Wähltfrauentag wird
Am Sonntag, 8. März 2026, ist nicht nur Weltfrauentag – in Bayern sind an diesem Tag auch Kommunalwahlen. Gerade auf kommunaler Ebene sind Frauen im Freistaat immer noch stark unterrepräsentiert: Nur rund zehn Prozent der (Ober-)Bürgermeistersessel sind mit Frauen besetzt. [...]
Leben in der zweiten Version: Ein Einblick in die Absurdität der Hinterbliebenenversorgung
Silvester 2025 – Wir sitzen in einer Runde liebgewonnener Freund*innen und lassen das vergangene Jahr Revue passieren. Mein Resümee ist objektiv betrachtet eigentlich positiv, 2025 meinte es augenscheinlich gut mit mir. Schöner Urlaub mit den Kindern, herzliche Momente mit Familie [...]
Hundert Tage Papst Leo XIV.
Dr. Paulina Hauser schreibt: 100 Tage im Amt – nicht nur der neue Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Regierung blicken auf ihre ersten hundert Tage zurück, sondern fast zeitgleich wurde auch Papst Leo XIV. zum neuen Oberhaupt der katholischen [...]
Urlaub – warum in die Ferne schweifen?
In Bayern sind die Sommerferien noch in vollem Gange. Wenn man beim Einkaufen Bekannte trifft, stellt sich vor allem eine Frage: Wart ihr schon im Urlaub oder fahrt ihr noch? Wir waren Anfang August im Engadin in der Schweiz, auf [...]
Synodaler Ausschuss: Fortschritte, Herausforderungen und Perspektiven
Am 9. und 10. Mai trafen sich die Mitglieder des Synodalen Ausschusses zum vierten Mal, dieses Mal in Magdeburg. Ortsbischof Feige hieß uns willkommen in seinem Bistum, in dem Christ:innen und erst recht Katholik:innen nur noch eine kleine Minderheit [...]






Ihre Zeilen tun mir gut und erinnern mich in meiner gerade eher stressigen Zeit daran, dass der Blick in die Natur eine gute Richtschnur ist. Ich möchte mir ruhigere Tage und gemütliche Stunden zuhause nach bayerischer Lebensart gönnen – danke für diesen Anstoß!