Es ist Sonntag. Ich sitze neben einer dampfenden Kanne Tee und lese das neue Asterix-Heft, das mein Sohn gestern am Kiosk gekauft hat. „Asterix und der Greif“ ist sein Titel. Es spielt in „Barbaricum“, dem Land östlich des römischen Reiches, sozusagen am Rande der Welt. Endlose Weiten und klirrende Kälte warten dort auf jene, die das Abenteuer suchen.

Mein warmer Tee kommt gerade recht, als ich die schneebedeckten Bilder anschaue und Miraculix mit rotgefrorener Nase erblicke. Selbst Asterix und Obelix tragen ein wärmendes Halstuch. Die drei Hauptfiguren besuchen gerade ein kleines Dorf bei den Sarmaten. Ich muss lachen über die drolligen Namen der Männer des Dorfes: Terrine, Gasturbine, Honigbine, Margarine, Dachlawine… Obelix spöttelt schon, dass das ja Mädchennamen sind. Bald weiß ich auch, wie es zu diesen Namen kommt. Die Frauen des Dorfes sind nämlich kriegerische Amazonen. Während die Männer am Herd bleiben und die Kinder hüten müssen, verteidigen die Frauen Land und Ehre. Was für ein schöner Rollentausch!

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich mir nie Gedanken über das Frauenbild in Asterix-Heften gemacht habe. Zu sehr liebe ich diese Comics mit ihrem hintergründigen Humor. Aber natürlich stimmt es, dass die Frauen bei Asterix oft eher keifende Ehefrauen oder verführerische Schönheiten sind. Da ist es eine gute Abwechslung, finde ich, dass die Kriegerinnen hier sehr selbstbewusst daherkommen. Dementsprechend klingend sind ihre Namen: Kalaschnikowa, Casanowa oder Matrjoschkowa heißen sie, und man kann sich denken, dass sie Asterix´ und Obelix´ Weltsicht ziemlich herausfordern.

Und auch wenn hier sicherlich neue Klischees am Werk sind und nicht alles gender-politisch korrekt zugeht, amüsiere ich mich köstlich darüber. Während der Zaubertrank eingefriert und der sonst bärenstarke Asterix plötzlich etwas kleinlaut wird, sind die Kriegerinnen auf männliche Helden ja gar nicht angewiesen. Sie spitzen ihre Pfeile und schmieden Schlachtpläne.

Doch ich will gar nicht alles verraten. Lediglich, dass Obelix sich einmal neu verliebt, Matrjoschkowa am Ende verspricht, dass sie auch aus Asterix noch einen echten Krieger machen wird, und dass beim Festbankett in Barbaricum am Ende die Männer spülen…

Während mein Tee zur Neige geht, denke ich: Was für ein vergnüglicher Ausflug in eine Rollen-verkehrte Welt!

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