
Heute ist der 90. Todestag von Ellen Ammann. Die gebürtige Schwedin hat nicht nur den KDFB Landesverband Bayern und den KDFB Diözesanverband München-Freising ins Leben gerufen. Zahlreiche weitere segensreiche Einrichtungen verdanken ihr ihre Existenz, unter anderem die katholische Bahnhofsmission in München und die Katholische Stiftungshochschule München. Was nur wenige wissen, auch die Katholische Polizeiseelsorge Bayern geht auf ihre Initiative als Landtagsabgeordnete zurück.
Ellen Ammann war nicht nur eine Pionierin der katholischen Frauenbewegung in Bayern, sondern sie hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch auf zahlreichen anderen Gebieten das soziale, gesellschaftliche und politische Leben in Bayern mitgestaltet und mitgeprägt. Mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein, Kreativität und Weitblick setzte sie sich erfolgreich für die Rechte von Frauen und Mädchen und für sozial Schwache ein.
Ellen Ammann war engagierte Katholikin, Frauenrechtlerin, Lehrerin, Politikerin, Ehefrau und sechsfache Mutter. Wenn man sich intensiver mit ihrer Biografie beschäftigt, ist man fasziniert von dieser Tatkraft, diesem unbeirrbaren Tun, selbst gegen Widerstände. Von ihren Zeitgenoss*innen wird sie als eher zierlich beschrieben, das wird auch auf manchen Bildern deutlich. Trotzdem schaffte sie es, ihre Ziele und Vorstellungen durchzusetzen.
Ellen Ammann ist es zu verdanken, dass der Katholische Deutsche Frauenbund in Bayern zu einer Volksbewegung wurde. Von der einfachen Bauersfrau bis zur Hochadligen – Ellen Ammann kam bei allen Bevölkerungs- und Altersgruppen gut an. Sie verstand die Sprache der Frauen des einfachen Volkes und setzte sich glaubhaft für ihre Nöte ein.
Außerdem war Ellen Ammann eine Netzwerkerin par excellence, obwohl es damals diesen Begriff noch gar nicht gab. Gemeinsam sind wir stark – unser KDFB-Slogan – war ihr Motto. Wenn sie ein gesellschaftliches Problem sah, suchte sie sich Mitstreiter*innen und packte es an.
Keine der weiblichen Landtagsabgeordneten der Weimarer Zeit war so lange und kontinuierlich im Bayerischen Landtag vertreten wie Ellen Ammann. An ihrem Begräbnis am 25. November 1932 am Alten Münchner Südfriedhof nahm alles teil, was damals in Bayern Rang und Namen hatte. Außerdem reisten aus ganz Bayern Hunderte von KDFB-Frauen nach München, um Abschied von der geliebten Vorsitzenden zu nehmen.
Obwohl sie zu Lebzeiten sehr bekannt war, verblasste im Laufe der Jahre die Erinnerung an diese beeindruckende Frau. Viele Jahrzehnte zählt sie eher zu den vergessenen Münchnerinnen. In der Landeshauptstadt wurde nur ein kleiner unscheinbarer Weg nach ihr benannt. Im November 2013 – 90 Jahre nach dem Scheitern des Hitlerputsches – wurden zum ersten Mal die Medien auf Ellen Ammanns mutiges Eingreifen bei der Vereitelung des Hitlerputsches aufmerksam. In der Dauerausstellung des 2015 in München eröffneten NS-Dokumentationszentrums wird Ellen Ammann im Kontext des Hitlerputsches mit einer Biografie gewürdigt.
Unsere Arbeit beim KDFB Landesverband Bayern wird bis heute ganz stark von Ellen Ammanns Geist beeinflusst. Seit 2013 schreiben wir im Zwei-Jahres-Rhythmus den Ellen-Ammann-Preis aus. Im April 2022 wurde im Innenhof unserer Geschäftsstelle die Dauerausstellung „Mein Name ist Ellen Ammann…“ eröffnet. Anfang Juli 2022 feierten wir mit mehreren hundert KDFB-Frauen in München den 150. Geburtstag unserer Gründerin nach. Heute, an ihrem 90. Todestag, gibt es an ihrem Grab eine Kranzniederlegung mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner, die KDFB-Mitglied ist. Für sie ist Ellen Ammann ein großes Vorbild.
In der Stadtpfarrkirche St. Ursula in München-Schwabing findet heute Abend ein Pontifikalgottesdienst zu Ehren von Ellen Ammann statt. Dort wird auch ein Gedenkort für sie eingerichtet. 2020, anlässlich ihres 150. Geburtstages, beantragte der KDFB Landesverband Bayern gemeinsam mit allen Gründungen die Seligsprechung von Ellen Ammann. Hoffen wir, dass es bald eine Selige Ellen Ammann geben wird. Verdient hätte sie es wie keine andere!
In meiner Freizeit lese ich gerne Frauenbiografien. Das Eintauchen in das Leben spannender Frauen begeistert mich sehr. Ansonsten bin ich in meiner Freizeit gerne auch mal faul. Meine Kinder sind inzwischen erwachsen, und ich genieße die neu gewonnene Zeit für mich. Während der Coronazeit hat mich dieser Blog als Leserin sehr aufgebaut. Umso mehr freue ich mich, dass ich auch als Autorin für diesen Blog schreiben darf. --- Dr. Gerlinde Wosgien ist promovierte Germanistin, seit 1999 Referentin beim KDFB Landesverband Bayern, zweifache Mutter und Wahlmünchnerin.
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